Germany – zero points

Zufällig zappte ich Donnerstag in der Nacht in die ESC-Sendung „Unser Lied für Rotterdam“. Ich verwende sehr selten Versalien, doch nun komme ich – zur Vermeidung nicht jugendfreier Verbalinjurien – nicht umhin: Grundgütiger! IST DAS SCHLECHT! Hier kann man das dünne Stimmchen zu einem langweilig-einfallslosen Lied, nun ja, bestaunen. Ich kann es schon hören: Germany – zero points.
https://www.eurovision.de/news/ESC-2020…

Frauen in der russischen Metallmusik

Mein Musikgeschmack ist breit aufgestellt, ich präferiere alles, was mich emotional und/oder intellektuell anspricht. Allerdings bevorzuge ich Metallmusik der härteren Spielart. In der Zeit, in der ich mich mit russischer Musik beschäftige, ist mir Folgendes aufgefallen: Es gibt in der russischen Metallmusik für das Genre ansonsten ungewöhnlich viele Frauen als Bandgründerinnen, Masterminds, Bandleader und Frontfrauen. Üblicherweise ist Frauen in (nicht nur) diesem Genre eher eine Rolle als singendes Accessoire zugedacht. Nicht so in etlichen russischen Metalbands – da ist beispielsweise Maria „Masha Scream“ Archipowa, die im Jahr 2002 mit gerade mal 19 Jahren Аркона gründete, die weitaus meisten Lieder komponiert und betextet. Zu nennen sind hier auch Lousine Geworkjan, die 2008 Louna gründete und Darija Stawrowitsch, die Slot zwar nicht gründete, aber als Komponistin schnell zum Mastermind und Bandleader avancierte. Ich finde das erstaunlich und bin auf weitere Entdeckungen gespannt (und nein – Doro Pesch produziert nicht wirklich Metal).

Lousine Geworkjan & Louna am 26.10.2019 in Minsk im Club Re:Public
YouTube-Link: https://www.youtube.com/watch?v=Gb3HKUS537A

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Zur Abwechslung mal eine erfreuliche Nachricht

Smithsonian stellt fast 3 Mio. Abbildungen seiner Exponate in einer Open-Access-Datenbank zur privaten und kommerziellen Nutzung unter der Lizenz Creative Commons Zero gemeinfrei. Bei einer Nutzung der Daten ist dennoch eine Quellenangabe empfohlen, die so aussehen sollte: CC0 1.0 Smithsonian Open Access.
https://www.si.edu/openaccess

Mal wieder steht die Frage im Raum, …

… woher diese Komplettirren kommen, wieso eine sich für ziviliert haltende und kultiviert gebende Gesellschaft wie unsere solchen Wahnsinn generieren und – wie jüngst in Hanau und Volkmarsen – zum Ausbruch bringen kann. Einen Teil der Antwort mag diese Animation von Steve Cutts, vertont von Moby, liefern, die wenigstens zum Nachdenken anregen sollte.

Moby & The Void Pacific Choir – Are You Lost In The World Like Me?
YouTube-Link: https://www.youtube.com/watch?v=VASywEuqFd8

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Kalte Krieger

Statt – außer Lawrow natürlich – mal wieder dummes Zeug daherzureden und die alten Feindbilder zu pflegen, hätte die MSC besser einen Filmabend veranstaltet – Napoleon Bonapartes Russland-Feldzug (lief auf arte, derzeit aber nicht in der Mediathek). Napoleons Russlandfeldzug gilt als Beginn der Sechsten Koalitionskrieges und ist in Russland als Vaterländischer Krieg in Erinnerung. Auf YouTube hier:

Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=8T4CgTx_O3c
Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=T3s1TlvlLkw
Lawrow auf der MSC: https://www.youtube.com/watch?v=6wi8esJi81M

Idiotenballett

Den einzigen vernünftigen und angemessen analytischen Kommentar zum bundesweiten Idiotenballett anläßlich der Thüringer Politgroteske fand ich – wo sonst – bei Heise, und zwar aus der Feder resp. Tastatur von Peter Nowak. Auch wenn ich in Sachen Russland nie seiner Meinung bin, schätze ich ihn als (tatsächlich) linken Autor.
https://www.heise.de/…/Wer-hat-Vorteile-vom-Thueringer-Politzirkus…

Noch einen zu Thüringen – wirklich erstaunt hat mich das verblüffend nüchterne und sachliche Statement der Antifa Erfurt zu den Ereignissen.
https://twitter.com/AntifaErfurt/…

Hermann L. Gremliza, Herausgeber von Konkret, ist tot.

Der letzte Journalist alter Schule, der streitbarste Geist der Nachkriegszeit, der wohl bedeutendste gesellschaftspolitische Denker der Republik ist am 20. Dezember verstorben. Man musste nicht mit ihm einer Meinung sein – ich war es keineswegs immer -, doch sein analytisches Denken war immer inspirierend. Ich habe seit meinem Umzug nach Westberlin im Jahr 1984 alles von ihm gelesen, was verfügbar war – nicht zuletzt auch als Freund stilvoller, geradezu eleganter Polemik. Nicht nur in diesem Sinne war Gremliza vielleicht der einzige, auf jeden Fall aber der würdigste Erbe Carl von Ossietzkys und Kurt Tucholskys. Nun wird diese Gesellschaft endgültig der Idiotisierung anheim fallen.
Nachrufe:
Jüdische Allgemeine: Vielleicht der größte Journalist des Landes
ZEIT: Stilvoll gegen Deutschland
Spiegel: Hermann L. Gremliza ist tot

Ruhe im Regal?

Ich bitte die hier vorherrschende Stille – insbesondere nach den enthusiastischen Ankündigungen in diversen Netzwerken – zu entschuldigen. Zwar ist das die Standardausrede aller Prokrastinatoren, aber ich war (und bin) anderweitig beschäftigt, weil ich meinen neu entdeckten, musikalischen Leidenschaften frönte. Ich habe gute 80 MP3 von Janka Djagilewa zu bebilderten Videos mit aufpoliertem Klang verarbeitet und 95 Videos von Jegor Letow und Graschdanskaja Oborona gesammelt, geschnitten, den Sound aufpoliert und alles in meinem YouTube-Kanal abgelegt.
Janka Djagilewa (YouTube-Playlist)
Jegor Letow und Graschdanskaja Oborona (YouTube-Playlist)
Alle Videos wurden von mir mit englischer Übersetzung der Titel, Links zur Biografie der Musiker, Links zu den Texten – soweit verfügbar mehrsprachige Versionen – und einer Anleitung zum Übersetzen ganzer Webseiten versehen. Nun bin ich dabei, umfangreiche Darstellungen zu beiden Musikern des sibirischen Underground zu schreiben, was eine gründliche Recherche auf in aller Regel russischen Webseiten erfordert und mich auf eine unglaublich spannende Reise in die Endphase der sowjetischen Stagnation nach Breschnew unter Andropow und Tschernenko und in die Zeit des Zerfalls der Sowjetunion unter Gorbatschow führt. Sobald das geschafft ist, wird es hier lauter.