Hermann L. Gremliza, Herausgeber von Konkret, ist tot.

Der letzte Journalist alter Schule, der streitbarste Geist der Nachkriegszeit, der wohl bedeutendste gesellschaftspolitische Denker der Republik ist am 20. Dezember verstorben. Man musste nicht mit ihm einer Meinung sein – ich war es keineswegs immer -, doch sein analytisches Denken war immer inspirierend. Ich habe seit meinem Umzug nach Westberlin im Jahr 1984 alles von ihm gelesen, was verfügbar war – nicht zuletzt auch als Freund stilvoller, geradezu eleganter Polemik. Nicht nur in diesem Sinne war Gremliza vielleicht der einzige, auf jeden Fall aber der würdigste Erbe Carl von Ossietzkys und Kurt Tucholskys. Nun wird diese Gesellschaft endgültig der Idiotisierung anheim fallen.
Nachrufe:
Jüdische Allgemeine: Vielleicht der größte Journalist des Landes
ZEIT: Stilvoll gegen Deutschland
Spiegel: Hermann L. Gremliza ist tot

Ruhe im Regal?

Ich bitte die hier vorherrschende Stille – insbesondere nach den enthusiastischen Ankündigungen in diversen Netzwerken – zu entschuldigen. Zwar ist das die Standardausrede aller Prokrastinatoren, aber ich war (und bin) anderweitig beschäftigt, weil ich meinen neu entdeckten, musikalischen Leidenschaften frönte. Ich habe gute 80 MP3 von Janka Djagilewa zu bebilderten Videos mit aufpoliertem Klang verarbeitet und 95 Videos von Jegor Letow und Graschdanskaja Oborona gesammelt, geschnitten, den Sound aufpoliert und alles in meinem YouTube-Kanal abgelegt.
Janka Djagilewa (YouTube-Playlist)
Jegor Letow und Graschdanskaja Oborona (YouTube-Playlist)
Alle Videos wurden von mir mit englischer Übersetzung der Titel, Links zur Biografie der Musiker, Links zu den Texten – soweit verfügbar mehrsprachige Versionen – und einer Anleitung zum Übersetzen ganzer Webseiten versehen. Nun bin ich dabei, umfangreiche Darstellungen zu beiden Musikern des sibirischen Underground zu schreiben, was eine gründliche Recherche auf in aller Regel russischen Webseiten erfordert und mich auf eine unglaublich spannende Reise in die Endphase der sowjetischen Stagnation nach Breschnew unter Andropow und Tschernenko und in die Zeit des Zerfalls der Sowjetunion unter Gorbatschow führt. Sobald das geschafft ist, wird es hier lauter.